2. FACHFORUM Erfahrungsaustausch der Koordinatoren

Herr Matthias Glawe, SIDI BLUME
Magdeburg

Der Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan

 

Microsoft Projekt98

 

Hinweise zur Erstellung, Aktualisierung mit Microsoft® Project 98

  1. Allgemeine Grundlagen

Wann ist der SiGe-Plan zu erstellen?

Ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan ist zu erstellen, wenn

Die Erfahrungen in der Lehrgängen für Koordinatoren haben gezeigt, dass die Bedingungen "Umfang der Arbeiten" und "besonders gefährliche Arbeiten" nicht so stark umstritten sind, wie die Fragen nach "Beschäftigten eines oder mehrerer Arbeitgeber".

Dazu einige Hinweise: Die Baustellenverordnung spricht von Beschäftigten mehrerer Arbeitgeber, die auf der Baustelle tätig werden. In den Erläuterungen werden dazu Präzisierungen gegeben. Darin heißt es, dass Unternehmen nur als ein Arbeitgeber gelten, wenn sie unter einheitlicher Firmung auftreten.

Das BGB legt klar fest, wann mehrere Unternehmen eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts bilden. Eine solche Gesellschaft kann dann beispielsweise den Namen "ARGE ..." erhalten. Die Arbeiten auf der Baustelle müssen ausschließlich von den Beschäftigten der ARGE-Mitgliedsunternehmen ausgeführt werden. Das Vergeben von Aufträgen an Unternehmen, die nicht der ARGE angehören, bedeutet das Vorhandensein von zwei Arbeitgebern.

Dabei ist es gleichgültig, mit wie vielen Partner der Bauherr einen Vertrag abgeschlossen hat. Gerade im Bereich des Tief- und Straßenbaus werden oftmals die Leistungen an einen Auftragnehmer vergeben. Dies lässt aber keine Rückschlüsse auf die Frage nach den später beteiligten Arbeitgebern und ihrer Beschäftigten zu. Besonders Generalunternehmer führen oftmals die Arbeiten im wesentlichen nicht mit dem eigenen Personal aus, sondern vergeben eine Reihe von Aufträge zur Ausführung von Leistungen.

Und noch ein Fakt ist zu beachten: Der Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan ist in der Planungsphase zu erstellen, bevor Bauleistungen ausgeschrieben und vergeben worden sind. Also zu einem Zeitpunkt, da noch nicht klar ist, wie viele Unternehmen die Bauleistungen ausführen.

Lassen Sie sich also besser nicht auf die juristischen Spitzfindigkeiten ein und überlegen Sie aus Ihrer bisherigen Erfahrung heraus, ob die Arbeiten wirklich von Beschäftigten eines Arbeitgebers durchgeführt werden. Sie werden schnell zu der Erkenntnis kommen, dass bei fast allen Bauvorhaben die Regelung "Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber" greift.

 

Gewerkeliste oder großformatiger Plan?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, den SiGe-Plan darzustellen. Eine ist die Erstellung von Gewerkelisten. Hier werden in Tabellenform für jedes der beteiligten Gewerke die Gefährdungen ermittelt, die Schutzmaßnahmen vorgeschlagen und die anzuwendenden Arbeitsschutzbestimmungen festgehalten.

Gewerkelisten eignen sich für die grundsätzliche Ermittlung von Gefährdungen und der Festlegung von möglichen Schutzmaßnahmen in der Planungsphase sowie bei kleinen Bauvorhaben mit einer geringen Anzahl von Gewerken.

Werden die Bauvorhaben größer und komplizierter wachsen die Listen schnell auf mehrseitige Dokumentationen an, die letztendlich schlecht überschaubar werden.

Im Gegensatz dazu haben sich die großformatigen Pläne, in denen der Bauablaufplan integriert ist, für mittlere und große Bauvorhaben bewährt. Möglichkeiten, solche Pläne zu erstellen sind vielfältig.

Akzeptanz für den Plan durch die Beteiligten

Ein sehr wesentlicher Punkt für die Akzeptanz der Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination ist die Verständlichkeit des SiGe-Plans.

Klare Inhalte sollen den Beteiligten ein langes Suchen im Plan ersparen. Dazu sollten die relevanten Informationen für ein Gewerk auch in kompakter Form erkennbar sein. Es nützt nichts, wenn die Beteiligten sich die für sie zutreffenden Maßnahmen im Plan zusammensuchen müssen.

Empfehlenswert ist es, den großformatigen Plan als Bestandteil in eine Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumentation aufzunehmen. Darin sind die organisatorischen Regelungen auf der Baustelle, die in Zusammenhang mit der Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordination stehen, aufzuführen. Dazu gehören beispielsweise Themen wie Teilnahme an Beratungen; Nachweis von Unterweisungen, Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen u.ä. sicherheitstechnischer Dokumente; Meldung von Unfällen und gefährlichen Situationen; Regelungen zur Baustelleneinrichtung, zum Baustellenverkehr und zum Brandschutz auf der Baustelle.

Eine solche Dokumentation wird den Unternehmen zweckmäßigerweise ausgehändigt und der Empfang bestätigt.

2. Erläuterungen zum Programm Microsoft® Project

Hersteller

(vertreten in Deutschland)

Microsoft GmbH
Edisonstr. 1
Telefon 0 89/31 76-0

85713 Unterschleißheim

Vertrieb

durch PC-Fachhandel

Preisniveau

niedrig

Einsatzbereich

Projektplanung und –steuerung
SiGe-Planung

Integration am PC

Hardware:
PC-Einzelplatz: Windows ab 3.1, Windows 95, Windows NT

LAN: alle von Windows unterstützten Betriebssysteme

Schnittstellen:
DDE- und OLE-2.0-fähig, ASCII, diverse andere vordefinierte Datenformate, ODBC

Programmerkmale

Die Projektstrukturierung erfolgt über die Vergabe von Vater/ Sohn-Beziehungen. Einen PSP-Code vergibt das System automatisch. Die Planung der Projektdaten erfolgt standardmäßg auf der untersten Ebene, die höheren Ebenen dienen vor allem zur Verdichtung von Daten. Es ist jedoch möglich, auch Verdichtungsvorgänge miteinander zu verknüpfen und Ressourcen zuzuordnen.

Die Ablaufplanung und damit auch die SiGe-Planung erfolgt im vernetzten Balkenplan (Balkenansicht Gantt). Abhängigkeiten können beliebig, auch zwischen verschiedenen Ebenen definiert werden. Periodische Vorgänge können eigens definiert werden. Auch die manuelle Planung mit Vorgabeterminen (es können acht verschiedene Termineinschränkungen vergeben werden) ist möglich.

Die Ressourcenplanung (im SiGe-Plan die Planung der Schutzmaßnahmen und -einrichtungen) erfolgt entweder personal-, aufwands- oder zeitorientiert. Diese Einstellung kann als Standard voreingestellt oder für jeden Vorgang geändert werden. Kosten werden im wesentlichen über die Ressourcen geplant. Zusätzlich können vorgangsbezogene Kosten eingeplant werden.

Im Multiprojektmanagement können unbegrenzt viele Projekte zusammengefasst werden. Diese werden dann wie ein einzelnes Projekt betrachtet, sämtliche Funktionen und Auswertungen stehen zur Verfügung. Ein zentraler Ressourcenpool kann über die Einrichtung eines "Phantom-Projektes" erreicht werden.

Wesentliches Instrument zur Projektsteuerung ist der Soll-Ist-Vergleich im Balkendiagramm. Weitergehende Methoden stehen in MS-Project nicht zur Verfügung.

Berichtswesen/

Dokumentation

Durch die Möglichkeit der individuellen Formatierung von Vorgängen in Listen oder Balkenplänen können die Ausgaben sehr stark den verschiedenen Bedürfnissen angepasst werden. Außerdem können beliebige Zeichnungen (Pfeile, Text, Kreise, Vierecke, Firmenlogos usw.) einfach in einen Balkenplan eingebunden werden. Wichtigstes Element ist der sehr flexible Balkenplan, andere graphische Auswertungen sind weniger vielfältig in den Gestaltungsmöglichkeiten.

Bedienung

MS-Project 98 entspricht in der Bedienung dem Standard der anderen Microsoft-Produkte. Auch ein Assistent und verschiedene Ratgeber stehen zur Verfügung. Durch die Programmierung in Visual Basic kann das System beliebig verändert werden. Gewöhnungsbedürftig ist die deutsche Terminologie des Systems, die sich deutlich von der ansonsten im Projektmanagement üblichen Sprache unterscheidet.

Anpassungen

Um MS-Project für die SiGe-Planung zu nutzen, sollten einige Anpassungen vorgenommen werden. Während der Standardplan den Vorgangsnamen, die Ressourcen und die Termine festlegt, sollten die Inhalt für die SiGe-Planung weiter gefasst werden, um den Anforderungen aus der BaustellV zu genügen. So ist es sinnvoll, den Plan nach Gewerken zu teilen und diese als jeweils Teilprojekte zu definieren. Vorgangsname sind die Gefährdungen, denen die Beschäftigten unterliegen. Die gemeinsam genutzten Schutzmaßnahmen / -einrichtungen werden als Ressourcen definiert. Weitere Einträge sind die anzuwendenden Arbeitsschutzbestimmungen und individuelle Einträge.

Einschätzung

MS-Project bietet alle notwendigen Funktionen zur Planung und Steuerung von Terminen in Projekten, also auch von Schutzmaßnahmen / -einrichtungen für Bauvorhaben. Sehr gut sind die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten von Balkenplänen und die einfache Bedienoberfläche. Wer also auf teure "Spezial-Software" verzichten will und sich mit den Office-Programmen der Microsoft-Familie angefreundet hat, für den ist MS-Project zur SiGe-Planung zu empfehlen.

 

 


Copyright © 2003 SIDI  SIDI Blume
Zuletzt geändert am: 17. November 2004