News@SIDIBLUME

Arbeitsschutzmanagement (4/6) – Schritte zur Einführung

Artikel-Übersicht


  1. Einführung
  2. Vorteile eines AMS
  3. Entscheidung zum AMS
  4. Schritte zur Einführung
  5. Fragenkatalog zur Bestandsaufnahme
  6. Ausblick und Quellen

Autor | Dipl. Ing Mathias Glawe,
ist Sicherheitsingenieur und verantwortlich für die Bereiche Arbeitsschutzmanagement und SiGe-Planung.

Unabhängig von den verschiedenen Managementsystemen kann man, basierend auf dem Nationalen Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme, eine grundsätzliche Verfahrenweise zur Einführung eines AMS aufzeigen. [9]

Ist die Entscheidung zugunsten der Einführung eines AMS gefallen, wird zunächst eine Ausgangsanalyse durchgeführt. Dabei sollte man sich bitte nicht von der scheinbaren Fülle von Anforderungen des Arbeitsschutzes abschrecken lassen. Viele Regelungen sind bei näherer Betrachtung leichter verständlich als angenommen. Und an einigen Stellen wird man sagen: „Das machen wir doch schon jahrelang so.“ Das ist umso besser. Mit einem AMS gibt man diesen Vorgängen nun aber auch den systematischen Rahmen. Anhand der Beantwortung eines geeigneten Fragekatalogs lässt sich erkennen, wie sich die Ist-Situation der betrieblichen Arbeitsschutzorganisation darstellt [10].

Im Rahmen der Ausgangsanalyse sind auch die bisher erarbeiteten Dokumente, wie z.B. Gefährdungsbeurteilungen, Betriebsanweisungen und Unterweisungsnachweise zusammen zu tragen, bzw. es ist zu dokumentieren, wo diese im Unternehmen zu finden sind.



Die Fragen zum Status des betrieblichen Arbeitsschutzes bilden gleichzeitig auch Hilfestellung für die notwendigen Schritte zur Einführung des AMS.

1. Aufstellung einer Unternehmenspolitik und Formulierung der betrieblichen Arbeitsschutzziele

Ist die Entscheidung gefallen, Sicherheit und Gesundheitsschutz umfassend in die betriebliche Organisation einzubinden, muss dies entsprechend untermauert werden. Dafür sollten verbindliche Leitlinien für das zukünftige Handeln gelten, die den Führungskräften und Beschäftigten mitgeteilt werden. Der Unternehmer sollte sich im Arbeitsschutz praktische Ziele setzen und so Schritt für Schritt den Arbeitsschutz verbessern. Ziele können sein, die Arbeitsunfallzahlen zu senken oder die Gesundheit der Beschäftigten zu fördern. Dies lässt sich über viele Teilziele erreichen. Für das fristgerechte Erreichen der Ziele können Zielvereinbarungen getroffen werden.

2. Organisation

Unabhängig von der Gesamtverantwortung des Unternehmers kann durch seine Person in der Regel nicht die Erfüllung die gesamte Bandbreite der Arbeitsschutzverpflichtungen abgedeckt werden. Deshalb geht Arbeitsschutz alle an. Es ist unbedingt notwendig, dass die betriebliche Organisation sowie die Rechte und Pflichten und die Verantwortlichkeiten der Beschäftigten klar umrissen und jedem einzelnen auch bekannt sind. Aufgaben im Arbeitsschutz kann der Unternehmer an zuverlässige und fachkundige Personen im Betrieb übertragen. Für die sicherheitstechnische Betreuung des Unternehmens kann eine Fachkraft für Arbeitssicherheit bestellt werden. Auf arbeitsmedizinischem Gebiet wird die Betreuung durch den Betriebsarzt übernommen. Auch bestimmte Beschäftigte des Unternehmens können mit besonderen Aufgaben im Arbeitsschutz betraut werden. Das sind insbesondere Sicherheitsbeauftragte und Ersthelfer. Um auch die gesamte Belegschaft im Arbeitsschutz mitwirken zu lassen, sind z.B. Beinahe-Unfälle, Gefahrensituationen zu melden oder Verbesserungsvorschläge durch die Beschäftigten zu unterbreiten.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Schulung der Beschäftigten. Durch Wissenserwerb, -auffrischung und -kontrolle wird sicher gestellt, dass alle Mitarbeiter über ausreichende Kenntnisse für ihre Sicherheit und Gesundheit verfügen. Den Bedarf kann dazu eine Personalübersicht zeigen, anhand derer ein Schulungs- und Unterweisungsplan aufgestellt wird.

Hinsichtlich der wechselseitigen Kommunikation und Zusammenarbeit ist dafür zu sorgen, dass Führungskräfte, Fachabteilungen, innerbetriebliche Ausschüsse/Arbeitskreise, Sicherheitsfachkraft, Betriebsarzt und Beschäftigte miteinander über die Themen Sicherheit und Gesundheitsschutz kommunizieren. Für den Kontakt mit externen Stellen (z.B. Arbeitsschutzbehörden) werden durch den Unternehmer geeignete Abläufe festgelegt. Ein Schwerpunkt der Kommunikation bildet die Erfüllung von Anzeige- und Meldepflichten.

3. Planung und Umsetzung

Um das Hauptziel des Arbeitsschutzes, der Gewährleistung der Sicherheit und der Gesundheit der Beschäftigten zu erreichen, müssen die mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen identifiziert und anschließend zu beurteilt werden. Ergeben sich im Zuge dieser Gefährdungsbeurteilung inakzeptable Risiken, müssen sie durch geeignete technische, organisatorische oder personenbezogene Schutzmaßnahmen auf ein akzeptables Maß gesenkt werden. In Anlehnung an das Qualitätsmanagement sollte an dieser Stelle gleichzeitig der Prozessbezug hergestellt werden.

Die Maßnahmen zur Vermeidung können sich auf verschiedene Themenbereiche beziehen: Arbeitszeit, Arbeitsstätten, Arbeitsmittel, Gefahrstoffe, biologische Arbeitsstoffe, physikalische Einwirkungen (z.B. Lärm. Vibrationen, Strahlung) oder psychischen Fehlbelastungen.

Da trotz getroffener Schutzmaßnahmen auch Restrisiken bestehen bleiben können, die zu Unfällen, Havarien, Bränden u.a. Schadensereignissen führen, sind im Vorfeld auch Maßnahmen für den Notfall zu treffen. Dazu gehört u.a. die Erste Hilfe im Unternehmen zu organisieren. Auch der Brandschutz spielt in den meisten Unternehmen eine große Rolle.

Immer bedeutender wird die Frage der Zusammenarbeit mit anderen Firmen. Viele Unternehmen haben bestimmte Leistungen ausgelagert und lassen sie von Fremdfirmen ausführen. Für diese Auftragnehmer heißt dies gleichzeitig, dass Sie in einem Fremdbetrieb tätig werden und z.B. deren Arbeitsregelungen berücksichtigen müssen. Daher sollten z.B. anhand einer Betriebsordnung für Fremdfirmen die wesentlichen Organisationsverpflichtungen abgedeckt werden.

Weiterer Bestandteil im Rahmen der Planung und Umsetzung des AMS ist die arbeitsmedizinische Vorsorge. Sie ist notwendig, um gesundheitliche Beeinträchtigungen bei der Arbeit oder fehlende gesundheitliche Eignung von Beschäftigten für die Durchführung bestimmter Tätigkeiten rechtzeitig erkennen zu können. Mit der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge hat sich auf diesem Themengebiet seit Ende 2008 eine neue Rechtsrundlage gebildet. Ein AMS sollte darüber hinaus auch die Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung unterstützen.

4. Messung und Bewertung

Der Unternehmer hat eine Überwachung, Messung und Aufzeichnung der Arbeitsschutzleistung vorzunehmen. Die Auswahl der Leistungsindikatoren richtet sich dabei nach der Betriebsgröße, der Art des Unternehmens, den vorhandenen Gefährdungen und damit verbundenen Risiken sowie den Arbeitsschutzzielen.

5. Verbesserungsmaßnahmen

Ein AMS ist keine Einbahnstraße sondern ein Kreisverkehr. Nachdem die eingeführten und umgesetzten Maßnahmen zur Arbeitsschutzorganisation gemessen und bewertet wurden, folgt die Ableitung notwendiger Konsequenzen. Auch dies sollte nach geordneten Verfahren erfolgen. Im Ergebnis lassen sich dann Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen festlegen.

…nächste Seite: 5. Fragenkatalog zur Bestandsaufnahme