Arbeitsschutzlexikon

Unterlagen – Spätere Arbeit

Nach der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (BaustellV) hat der Koordinator (SiGeKo) eine Unterlage zusammenzustellen.
Damit sollen insbesondere:

  • Gefährdungen der Sicherheit und Gesundheit für die mit späteren Arbeiten an der baulichen Anlage Beschäftigten reduziert und
  • Improvisationen und Informationsdefizite bei späteren Arbeiten an der baulichen Anlage und dadurch bedingte Störungen, Sachschäden und Unfälle vermieden werden.

Mit der Unterlage schafft der Bauherr/Koordinator eine Voraussetzung für die sicherheits- und gesundheitsgerechte Gestaltung der späteren Arbeiten und damit auch für eine langfristig wirtschaftliche Nutzung und Instandhaltung der baulichen Anlage.

Rechtsquellen:

. Technischer Arbeitsschutz : Arbeitsschutzgesetze .
EU -Recht D -Recht  D -Unfallvers.
Rahmen-Richtlinie 89/391/EWG  
Richtlinie + Gesetz 92/57/EWG   ArbSchG
Verordnung + UVV   BaustellV  
sonstige Normen    RAB 32  

Weitere Informationsquellen:

Erfordernis für eine Unterlage für spätere Arbeiten

Die RAB 32 gilt für alle Bauvorhaben, bei denen eine Unterlage für spätere Arbeiten nach § 3 Abs. 2 Nr. 3 BaustellV zusammenzustellen ist. Die Unterlage für spätere Arbeiten an der baulichen Anlage ist zusammenzustellen, wenn bei ihrer Errichtung oder Änderung Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber gleichzeitig oder nacheinander tätig werden (siehe Tabelle).

Baustellenbedingungen Berücksichtigung allg. Grundsätze nach § 4 ArbSchG bei der Planung Voran-
kündigung
Koordinator SiGe-Plan Unterlage (§ 3 Abs.2 Nr. 3)
Arbeitnehmer Umfang und Art der Arbeiten
eines Arbeitgebers kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder 501 Personentage ja nein nein nein nein
eines Arbeitgebers kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder 501 Personentage und gefährliche Arbeiten ja nein nein nein nein
eines Arbeitgebers größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder 500 Personentage ja ja nein nein nein
eines Arbeitgebers größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder 500 Personentage und gefährliche Arbeiten ja ja nein nein nein
mehrerer Arbeitgeber kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder 501 Personentage ja nein ja nein ja
mehrerer Arbeitgeber kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder 501 Personentage jedoch gefährliche Arbeiten ja nein ja ja ja
mehrerer Arbeitgeber größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder 500 Personentage ja ja ja ja ja
mehrerer Arbeitgeber größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder 500 Personentage und gefährliche Arbeiten ja ja ja ja ja

(Hinweis: Der Einsatz von bereits einem Nachunternehmer bedeutet das Vorhandensein von mehreren Arbeitgebern. )

Für die sichere Durchführung späterer Arbeiten an der baulichen Anlage müssen die getroffen Maßnahmen in einer Unterlage zusammen gestellt werden. Die in und an der baulichen Anlage vorhandenen sicherheitstechnischen Einrichtungen und ihr Einsatz werden in Vorlagen ebenso beschrieben, wie jene Arbeitsschutzmaßnahmen die in Verbindung mit der jeweiligen Instandhaltungsmaßnahme extra zu stellen und anzuwenden sind. Diese sind in der SiGe-ROM enthalten.

Was sind spätere Arbeiten?

Instandhaltungsarbeiten nach DIN 31051, die zur Bewahrung und Wiederherstellung des Soll-Zustandes, also der notwendigen Gebrauchseigenschaften einer baulichen Anlage, sowie zur Feststellung und Beurteilung des Ist-Zustandes des Systems der baulichen Anlage, also einschließlich der TGA wiederholt durchgeführt werden müssen.
Wann fallen spätere Arbeiten an?
In der Nutzungsphase, dem weitaus längsten Lebensabschnitt der baulichen Anlage, in dem die wirtschaftliche Verwertung stattfindet, heute i.d.R. als Renditeobjekt.

Welche wirtschaftliche Rolle spielen spätere Arbeiten?

Im Sinne der an gleichbleibende Gebrauchseigenschaften gebundenen Verwertbarkeit der baulichen Anlage sind in der Regel alle Teilsysteme lebenslang zyklisch oder auch permanent Instandzuhalten, da im System der baulichen Anlage eine ,,Instandhaltungsfreiheit” praktisch nicht vorkommt. Die Abschätzung des Aufwandes für die Instandhaltung hängt stark von der Art der baulichen Anlage ab. Der Instandhaltungsaufwand kann jährlich 5 % bis 25 % des Wiederbeschaffungswertes der Teilsysteme betragen, der Anteil der Gebäudetechnik an den gesamten Herstellkosten zwischen 20 % bis über 50 %! Der Anteil der Reinigungskosten an den Gesamtbetriebskosten beträgt 40 % bis 50 % (weit vor den Heizkosten) und jährlich kann mit einem Betrag von 3 % bis 6 % der gesamten Baukostensumme gerechnet werden. Einschließlich der Reinigung, als Komponente der Wartung, stellt die Instandhaltung, bei den in der Gebäudewirtschaft unterschiedenen Betriebs- und Unterhalt(ung)skosten, den größten Posten dar.

Wie entsteht die Unterlage für spätere Arbeiten?

Für die Unterlage ist zu ermitteln, welche Instandhaltungsarbeiten an der baulichen Anlage, einschließlich der Gebäudetechnik, über die gesamte Nutzungsphase und mit welcher Häufigkeit durchzuführen sind, welche Gefährdungen damit verbunden sind, welche technischen und anderen Schutzmaßnahmen unter Berücksichtigung von Gesetzen, Vorschriften und Regeln, der architektonischen Gegebenheiten und von geplanten oder zu erwartenden betriebswirtschaftlichen Effekten zweckmäßig und am Bauwerk zu realisieren sind.

Welches sind die Quellen zur Erstellung der Unterlage für spätere Arbeiten?

Quellen sind Pläne, Zeichnungen, Modelle, Gespräche mit den Planern und Bauleitern, methodische Hilfsmittel, Kataloge, Checklisten.
Wann muss die Unterlage für spätere Arbeiten vorliegen?
Im Zeitraum der Planungsphase bis zur frühen Bauphase, damit notwendige technische und andere Arbeitsschutzeinrichtungen Bestandteil der Planung werden und in die Leistungsverzeichnisse aufgenommen werden können.

Was lässt sich mit der Unterlage für spätere Arbeiten erreichen?

Effekte sind vor allem, dass technische Schutzmaßnahmen organischer Bestandteil des Gebäudes werden, Kosten für Arbeitsschutzeinrichtungen planbar werden, Kosten für spätere ,,zusätzliche” Leistungen vermieden werden.

Was ist die Unterlage für spätere Arbeiten?

Die Unterlage ist eine Planungshilfe, die den Blickwinkel des Architekten, über die Planung und Errichtung hinaus, auf den längsten und wichtigsten Lebensabschnitt des Gebäudes, die Nutzungsphase, ausweitet. Damit trägt sie zur Vermeidung von Problemen, die durch notwendige spätere ,,Flickarbeiten” an der baulichen Anlage entstehen, bei. Die Unterlage hilft, zusätzliche Kosten für notwendige spätere arbeitsschutzrelevante Nachrüstungen vermeiden. Durch die Unterlage für spätere Arbeiten kann auch der Qualitätsbegriff für bauliche Anlagen erweitert werden. Der Begriff der zugesicherten Eigenschaften gem. § 459 Abs. 2 bzw. § 633 Abs. 1 BGB wird von der bisherigen Orientierung auf statische Eigenschaften einer baulichen Anlage (dichtes Dach, ebener Fußboden gerade Wände) nunmehr ausdehnbar auf dynamischen Eigenschaften eines Gebäudes, auf gefährdungsarme ,,Instandhaltbarkeit”. Die Unterlage für spätere Arbeiten ist aber auch eine Anleitung zum Arbeitsschutz bei der Durchführung von Instandhaltungsarbeiten. Die in und an der baulichen Anlage vorhandenen sicherheitstechnischen Einrichtungen und ihr Einsatz werden ebenso beschrieben wie jene Arbeitsschutzmaßnahmen, die in Verbindung mit der jeweiligen Instandhaltungsmaßnahme extra zu stellen und anzuwenden ist.

Wie sieht eine Unterlage für spätere Arbeiten aus?

Das Aussehen der Unterlage ist nicht vorgegeben. Das Dokument soll dem Nutzer der baulichen Anlage zeigen, welche sicherheitstechnischen, organisatorischen oder personenbezogenen Maßnahmen bauseitig vorgesehen worden sind, um spätere Arbeiten sicher ausführen zu können. In der Vorlage wird die bauliche Anlage zunächst benannt. Anschließend ist zu dokumentieren, für welche späteren Arbeiten die Maßnahmen vorzusehen sind. Die Tabelle unterteilt eine bauliche Anlage in verschiedene Bereiche/Komponenten. Vom Arbeiten in den Außenbereichen über das Arbeiten auf Dächern oder an Fassaden bis hin zu Arbeiten innerhalb einer baulichen Anlage sind die Bereiche aufgelistet. Zu diesen Bereichen wird die Art der Arbeit näher erläutert. Werden an der baulichen Anlage später solche Arbeiten ausgeführt, ist dies mit einem Kreuz im dazugehörigen oberen Tabellenfeld zu kennzeichnen. Das geschieht im einfachsten Fall mit einem Kreuz. Kann im Vorfeld schon ausgesagt werden, in welchen Fristen die Arbeiten ausgeführt werden müssen, kann diese Angabe anstelle des Kreuzes in der Unterlage erscheinen. Das darunter liegende Tabellenfeld dient der Erläuterung der Gefährdung. Bei Dacharbeiten wird es z.B. die Absturzgefährdung sein. Auf der Rückseite werden die getroffenen Maßnahmen aufgelistet. Die erste Spalte dient der Zuordnung zu der Art der Arbeiten. Zu dieser Angabe wird die Schutzmaßnahme/Schutzeinrichtung zugeordnet. Sollten sich während der Planungsphase noch mehrere Möglichkeiten anbieten, können diese auch in der Unterlage notiert werden. Schließlich entscheidet nicht zuletzt der Bauherr, welche Schutzeinrichtung gewählt wird. Eine aus mehreren Möglichkeiten gewählte Schutzmaßnahme wird dann in der zweiten Spalte markiert. Die Verknüpfung der Unterlage für spätere Arbeiten mit den erstellten Planungsunterlagen kann in der Spalte ,,Hinweise auf Pläne und Ausschreibungen” vermerkt werden. Hier können aber auch Verweise auf mögliche Ausschreibungstexte für die späteren Arbeiten gemacht werden. In der Spalte ,,Bemerkungen” ist Platz für individuelle Erläuterungen.

Ausbildung und Fortbildung zum Thema SiGeKo

Lernen – wann und wo immer Sie wollen. Zugriff haben – auf aktuelle, zielgerichtet für Sie aufbereitete Informationen.

image


Wir unterstützen Ihre betriebliche Wissensvermittlung und die Handlungs- kompetenzen Ihrer Beschäftigten bezüglich Sicherheit, Gesundheitsschutz, Qualitäts-sicherung und Umweltschutz in einer besonderen Lernumgebung.

Dienstleistungen von SIDI BLUME zum Thema: SiGeKo

Produkte von SIDI BLUME - “SiGeKo”- Kategorie

  • Baustellenaushang 2.0 – CD-ROM
    Mit unserem Baustellenaushang 2.0 erhalten Sie das Werkzeug, um Ihren Baustellenaushang effizient und unkompliziert zu erstellen.
  • Leitfaden für die Erstellung des SiGe-Planes – Buch
    Dieser Leitfaden zeigt, wie die Mindestanforderungen gemäß Baustellenverordnung erfüllt werden können und wie man den erforderlichen Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan effektiv, rechtssicher und praxiswirksam erstellt.
  • Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen – Broschüre
    Mit unserer Broschüre Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen wollen wir Ihnen die Anforderungen aus der Baustellenverordnung und die Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen (RAB) erläutern und einige nützliche Tipps geben, die sich aus unserer praktischen Erfahrung ableiten.
  • SiGePlan für Eigenheimbauer
    Mit unserem SiGePlan für Eigenheimbauer setzen Bauherren die Anforderungen aus der Baustellenverordnung effektiv und rechtssicher um.
  • SiGeROM 6
    Die SiGeROM hat Maßstäbe gesetzt. Insbesondere der Baustellenaushang mit seinen Einzelelementen ist zwischenzeitlich Thema verschiedener Fachartikel gewesen und wurde in Softwareprodukte anderer Anbieter integriert.
  • Spätere Arbeiten an baulichen Anlagen – Buch
    Beispiele für die Gestaltung der “Unterlage für spätere Arbeiten nach Baustellenverordnung werden aufgezeigt.”
  • Überwachungsbericht
    Dieser Überwachungsbericht dient der systematischen Überwachung der Anwendung der geplanten Schutzmassnahmen durch die am Bau Beteiligten.