Arbeitsschutzlexikon

SiGePlan (Sicherheits- und Gesundheitsplan)

Das frühzeitige Erkennen von Gefährdungen versetzt den Bauherrn oder den von ihm beauftragten Dritten in die Lage, Sicherheit und Gesundheitsschutz zu planen. Damit können insbesondere:

  • Gefährdungen für alle am Bau Beteiligten sowie die von der Baustelle ausgehenden Gefährdungen für Dritte minimiert werden,
  • die entsprechenden Maßnahmen und Einrichtungen auf die Anforderungen verschiedener Gewerke abgestimmt und ihre gemeinsame Nutzung festgelegt werden,
  • Störungen als Folge von Personen- und Sachschäden sowie Improvisationen beim Bauablauf vermieden werden.

Hierzu kann es sinnvoll sein, fachkundigen Rat bei Arbeitsschutzbehörden, Berufsgenossenschaften, Fachkräften für Arbeitssicherheit, Sachverständigen oder anderen Experten einzuholen.

Durch einen derart geplanten und optimierten Arbeitsschutz wird die Qualität der geleisteten Arbeit verbessert. Der Bauherr schafft damit die Voraussetzungen für eine weitgehend unfallfreie, termingerechte und kostengünstige Ausführung seines Bauvorhabens.

Inhalt des SiGePlan

  1. Allgemeines
  2. Angaben zum Bauvorhaben
  3. Übersicht zu Auftragnehmern
  4. Regelungen für das Bauvorhaben
  5. Organisation der Baustelle
  6. Beauftragung von Nachauftragnehmern
  7. Anhänge (Planungsunterlagen, Einrichtungsplan, SiGePlan, Alarmpläne usw..

Rechtsquellen:

. Technischer Arbeitsschutz : Arbeitsschutzgesetze .
EU -Recht D -Recht  D -Unfallvers.
Rahmen-Richtlinie 89/391/EWG  
Richtlinie + Gesetz 92/57/EWG   ArbSchG
Verordnung + UVV   BaustellV  
sonstige Normen    RAB 31  

Weitere Informationsquellen:

Erfordernis eines SiGePlans

In Abhängigkeit von den Baustellenbedingungen können mit der folgenden Tabelle alle gemäß der BausteIIV notwendigen Aktivitäten ermittelt werden. Die grundsätzlichen Voraussetzungen für das Erfordernis eines SiGePlans sind durch Schattierung hervorgehoben.

Baustellenbedingungen Berücksichtigung allg. Grundsätze nach § 4 ArbSchG bei der Planung Voran-
kündigung
Koordinator SiGe-Plan Unterlage (§ 3 Abs.2 Nr. 3)
Arbeitnehmer Umfang und Art der Arbeiten
eines Arbeitgebers kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder 501 Personentage ja nein nein nein nein
eines Arbeitgebers kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder 501 Personentage und gefährliche Arbeiten ja nein nein nein nein
eines Arbeitgebers größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder 500 Personentage ja ja nein nein nein
eines Arbeitgebers größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder 500 Personentage und gefährliche Arbeiten ja ja nein nein nein
mehrerer Arbeitgeber kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder 501 Personentage ja nein ja nein ja
mehrerer Arbeitgeber kleiner 31 Arbeitstage und 21 Beschäftigte oder 501 Personentage jedoch gefährliche Arbeiten ja nein ja ja ja
mehrerer Arbeitgeber größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder 500 Personentage ja ja ja ja ja
mehrerer Arbeitgeber größer 30 Arbeitstage und 20 Beschäftigte oder 500 Personentage und gefährliche Arbeiten ja ja ja ja ja

Wichtigster Bestandteil der SiGe-ROM sind die Vorlagedateien für die effektive Erstellung des SiGe-Plans mit Microsoft-Project (C) ‘98. Dazu wurden für alle wichtigen Gewerke Regelgefährdungen ermittelt und die dazugehörigen Schutzmaßnahmen dargestellt. Die anzuwendenden

Arbeitsschutzvorschriften sind dem Gewerk bereits zugeordnet. Der SiGe-Plan wird somit problemlos erstellt, indem die beteiligten Gewerke jeweils als Teilprojekt eingefügt und die Abhängigkeiten zwischen den Gewerken anschließend dargestellt werden. Hier können Sie nichts mehr vergessen, das Druckformat ist frei wählbar.

Erstellen eines SiGe-Plans

Im Rahmen der praktischen Koordinationstätigkeit wurden im Ingenieurbüro Blume eine Sicherheitsdokumentation entwickelt, deren Methodik sich bewährt hat.

Es hat sich gezeigt, dass ein SiGe-Plan allein nicht allen Beteiligten die Notwendigkeit der Koordination oder die neue Situation auf dem Bau durch die Anwesenheit des Koordinators klarmacht. Deshalb ist es sehr empfehlenswert eine Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumentation zu entwickeln, in der der SiGe-Plan ein Bestandteil ist.
Zunächst ist es hilfreich die Angaben zum Bauvorhaben in einer kurzen präzisen Form zusammenzustellen. Dabei sollte u.a. notiert werden, welche Höchstzahl an Beschäftigten am Bau voraussichtlich tätig werden und mit wie viel Auftragnehmern gerechnet werden muss.

Damit der Koordinator auch weiß, wer die am Bau Beteiligten sind, kann ein entsprechender Überblick, der im Verlauf der Bauausführung fortgeschrieben wird, sehr hilfreich sein

Von Bedeutung ist es, für das Bauvorhaben grundsätzliche Regelungen für Sicherheit und Gesundheitsschutz zu treffen. Dazu gehört, dass festgelegt wird in welcher Form der Koordinator seine Informationen an die beteiligten Unternehmen weitergibt und wie die mit den Informationen zu verfahren haben. Klar festgehalten werden muss auch, dass die Unternehmen auch weiterhin ihre Pflichten auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes erfüllen müssen. Den Beteiligten ist mitzuteilen mit welchen Befugnissen der Koordinator vom Bauherrn ausgestattet wurde. Außerdem ist es wichtig, allen klar zu machen, dass dem Koordinator die Arbeitsschutzpflichten des Unternehmens, die im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben stehen (Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung, Prüfunterlagen), auf sein Verlangen nachgewiesen werden müssen.

Die SiGe-Dokumentation sollte auch organisatorische Regelungen zu Baustelle enthalten. Hier ergibt sich auch die Schnittstelle zur Baustellenordnung, die an dieser Stelle z.B. vollständig integriert werden kann. Sollten bestimmte Fachgebiete, wie z.B. der Brandschutz auf der Baustelle, einer weiteren ausführlicheren Darlegung bedürfen, kann auch hier eine entsprechende Dokumentation (Brandschutzordnung) eingebunden werden.

Um als Koordinator das auf eine übersichtliche Dokumentation der Informationen der beteiligten Unternehmen zurückgreifen zu können, bietet es sich an, entsprechende Formblätter und Formulare (Unterweisungsnachweis, Meldebogen) des SiGe-Dokumentation beizufügen.

Bei der systematischen Ermittlung der Gefährdungen sollte man gewerkespezifisch vorgehen. Die ermittelten Gefährdungen und die festgelegten Schutzmaßnahmen sollten dementsprechend auch in einem gewerkespezifischen Katalog oder einer Gewerkeliste festgehalten werden.

Ein solcher Sicherheits- und Gesundheitsschutzkatalog sollte die Gefährdungen enthalten, die von dem Gewerk ausgehen, aber auch die Gefährdungen, die aufgrund der örtlichen oder zeitlichen Nähe von anderen Gewerken auf die Beschäftigten einwirkt. Damit erhält das beteiligte Unternehmen die Informationen, die es braucht, um seine Beschäftigten auf die zusätzlichen, gegenseitigen Gefährdungen aufmerksam zu machen. Anhand dieser Informationen müssen die Beschäftigten unterwiesen sein. Der Koordinator kann sich die Unterweisung schriftlich nachweisen lassen.

Die Sicherheits- und Gesundheitsschutzkataloge sind also das Ergebnis der Koordinationsarbeit in der Planungsphase. Die Gesamtheit der Kataloge führt zu dem Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan. Der Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan soll also die beteiligten Gewerke, die von ihnen ausgehenden Gefahren und die getroffenen Schutz- und Koordinierungsmaßnahmen enthalten. Der Plan sollte vom Koordinator, der Bauleitung und von den beteiligten Unternehmen verstanden werden.

Diesen hohen Anspruch zu erfüllen ist eine schwierige Aufgabe. Es ist wichtig, eine Form zu finden, die für den Planersteller eine praktikable Handhabung und für den Nutzer eine leichte Verständlichkeit ermöglicht.

Sicherheits- und Gesundheitsschutzpläne sind zweckmäßiger Weise natürlich mit dem PC zu erstellen. Aber das Angebot an Programmen zur Bearbeitung ist die Kernfrage. Eine SiGe-Dokumentation und die Gewerkelisten kann man mit seinem Standard-Textverarbeitungsprogramm erstellen. Anders sieht es bei der computertechnischen Umsetzung eines großformatigen Plans aus. Hier bieten sich neben Microsoft Excel vor allem auch die Softwareprodukte an, die sich mit der Projektkoordination befassen. Im Ingenieurbüro Blume wurde deshalb der SiGe-Plan mit Microsoft Project erarbeitet.

Der Plan ist so aufgebaut, dass zunächst die Gewerke aufgeführt werden. Diesen Gewerken werden die jeweils ermittelten gegenseitigen Gefährdungen zugeordnet. Eine wichtige Erkenntnis aus der Praxis ist, sich nicht nur auf die gegenseitigen Gefährdungen zu beschränken, die es aufgrund der aktuellen Terminplanung gibt, sondern auch die Gefährdungen aufzunehmen, die aufgrund von Terminverschiebungen zu gegenseitigen Gefährdungen führen können.

Beispiel der Erstellung

Ein Beispiel: Bei auszuführenden Fliesenlegerarbeiten in einem Mehrfamilienhaus wird mit Gefahrstoffen umgegangen. Es entstehen Dämpfe, die in die oberen Etagen des Hauses aufsteigen. Der Fliesenleger hat die Schutzmaßnahmen für seine Person eingehalten. Nach der derzeitigen Terminplanung ist kein weiteres Gewerk im Haus tätig. Für den Koordinator besteht an dieser Stelle kein direkter Handlungsbedarf, weil der Schutz vor den Gefahrstoffen eine ,,unternehmensinterne” Angelegenheit für den Fliesenleger ist und das bestehende Arbeitsschutzrecht die entsprechenden Schutzmaßnahmen auch vorsieht. Demzufolge braucht in einem SiGe-Plan diese Gefährdung nicht dokumentiert zu werden. Aufgrund einer Terminverschiebung arbeiten nun zur gleichen Zeit wie der Fliesenleger in den oberen Etagen die Heizungsinstallateure, die u.a. auch Gasschweißen.
Durch die aufsteigenden Dämpfe kann jetzt Explosionsgefahr bestehen. Der Umgang des Fliesenlegers mit Gefahrstoffen ist also zu einer gegenseitigen Gefährdung geworden.
Gerade im Hinblick auf die Tatsache, dass der Sicherheits- und Gesundheitsschutzkoordinator nicht ständig auf der Baustelle präsent ist und dementsprechend nicht ständig seine Hinweise geben kann, ist es wichtig, dass die am Bau Beteiligten aus dem SiGe-Plan Informationen bekommen, mit welchen Gefährdungen zu rechnen ist. Da es auf dem Bau regelmäßig zu Terminverschiebungen kommt, sollte also auch der SiGe-Plan entsprechend ,,flexibel” auf diesen Umstand reagieren und gewerkebezogen Gefährdungen beinhalten, die zwar noch keine gegenseitigen Gefährdungen sind, es aber durchaus werden können.

Der Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan sollte im Zusammenhang mit den gegenseitigen Gefährdungen auch zeigen, wer wen gefährdet. Für die Beteiligten ist es schon wichtig zu wissen, von welchem Gewerk ein Gefährdung ausgeht und welche anderen Gewerke davon betroffen sind. Deshalb werden in der 3. und 4. Spalte diese Unterscheidungen anhand einer ausgewählten Symbolik gemacht.

  1. Schutzmaßnahmen, die vom eigenen Gewerk getroffen und von anderen Gewerken mit genutzt werden.
  2. Schutzmaßnahmen, die von einem anderen Gewerk getroffen und durch das eigene Gewerk mitgenutzt werden.
  3. Schutzmaßnahmen, die zunächst nur für das einzelne Gewerk gelten.

Durch diese Einteilung wird also deutlich, wer für wen eine Schutzmaßnahme trifft, z.B. wer einen Seitenschutz erstellt und wer diesen Schutz mitnutzt. Im SiGe-Plan sollten diese Unterscheidungen für jedes Gewerk eindeutig erkennbar sein. Dazu sind die Schutzmaßnahmen, die mit dem PC-Programm terminlich verwaltet werden, unterschiedlich farblich gekennzeichnet: Rot steht für die Schutzmaßnahmen und Schutzeinrichtungen die durchgeführt bzw. installiert und von anderen Gewerken mitgenutzt werden, grün steht für Schutzmaßnahmen, die von einem oder mehreren anderen Gewerken durchgeführt wurden und die vom eigenen Gewerk genutzt werden, blau steht für Schutzmaßnahmen, die für das einzelne Gewerk gelten. Gemäß der Baustellenverordnung soll ein SiGe-Plan auch die anzuwendenden Arbeitsschutzvorschriften enthalten. Dazu im SiGe-Plan gewerkespezifisch die wichtigsten staatlichen und autonomen Rechtsvorschriften aufgeführt. Die letzte Spalte bietet die Möglichkeit, Verweise auf Planungs- oder Ausschreibugsunterlagen zu treffen oder individuelle Bemerkungen zu dokumentieren.

Ausbildung und Fortbildung zum Thema SiGeKo

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    Die SiGeROM hat Maßstäbe gesetzt. Insbesondere der Baustellenaushang mit seinen Einzelelementen ist zwischenzeitlich Thema verschiedener Fachartikel gewesen und wurde in Softwareprodukte anderer Anbieter integriert.
  • Spätere Arbeiten an baulichen Anlagen – Buch
    Beispiele für die Gestaltung der “Unterlage für spätere Arbeiten nach Baustellenverordnung werden aufgezeigt.”
  • Überwachungsbericht
    Dieser Überwachungsbericht dient der systematischen Überwachung der Anwendung der geplanten Schutzmassnahmen durch die am Bau Beteiligten.