Arbeitsschutzlexikon

Lehre, Berufsausbildung: Auszubildene (15-18 Jahre), Lehrlinge – was ist zu beachten?

1. Mindestalter:

Wer 15, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. (§ 2 JArbSchG)

2. Beschäftigungsdauer:

Es gilt die Fünf-Tage-Woche bei einer täglichen Arbeitszeit von 8 Stunden (§ 8 JArbSchG). Die erste Pause ist nach 4½ Sunden (max. 6 h) einzulegen bzw. länger als 4½ Stunden hintereinander dürfen Jugendliche nicht beschäftigt werden (§ 11(2) JArbSchG).
Die Schichtzeit bei Schichtarbeit darf grundsätzlich 10 Stunden nicht überschreiten. Im Gaststättengewerbe, in der Landwirtschaft, in der Tierhaltung, auf Bau- und Montagestellen darf die Schicht 11 Stunden dauern. Durch Tarifvertrag ist eine weitere Anpassung möglich. (§ 12 JArbSchG)

Eine Beschäftigung außerhalb von 6.00 bis 20.00 Uhr ist nicht erlaubt. (§ 14 JArbSchG ). Ausnahmen:

  • Jugendliche über 16 Jahre dürfen im Gaststätten- und Schaustellergewerbe bis 22 Uhr, in mehrschichtigen Betrieben bis 23 Uhr, in der Landwirtschaft ab 5 Uhr oder bis 21 Uhr und in Bäckereien und Konditoreien ab 5 Uhr,
  • Jugendliche über 17 Jahre dürfen in Bäckereien ab 4 Uhr,
  • andere Zeiten nur nach vorheriger Anzeige an die Aufsichtsbehörde (Gewerbeaufsicht).

3. Freistellung für die Berufsschule, Prüfungen:

Der Jugendliche muss in jedem Fall vom Arbeitgeber für die Teilnahme am Berufsschulunterricht freigestellt werden. Jugendliche sind bei einem Berufsschultag in der Woche mit mehr als 5 Stunden (Unterrichtsstunden mit 45 Minuten, keine Zeitstunden) an diesem Tag von der Beschäftigung im Betrieb völlig freizustellen, um den Unterricht aufarbeiten zu können.
Die Zeiten für die Berufsschule und die Prüfungen werden voll auf die Arbeitszeit angerechnet, und der Jugendliche erhält das volle Arbeitsentgelt. (§§ 9 -10 JArbSchG)

4. Art der Beschäftigung:

Es dürfen nur leichte Arbeiten ausgeführt werden. (§§ 22 -27 JArbSchG)

Beschäftigungsbeschränkungen:

  • keine gefährlichen Arbeiten (z.B.: Umgang mit Gefahrstoffen, Arbeiten in engen Räumen, usw.),
  • keine Akkordarbeit oder tempoabhängige Arbeit,
  • keine Sicherungsarbeiten ausführen (z.B.: als Sicherungsposten),
  • keine Schweiß-, Schneid- o.ä. Feuerarbeiten,
  • keine Fahrzeuge führen (z.B.: Krane, Hebezeuge, Flurförderzeuge, Baufahrzeuge, u.ä.),
  • Heben und Tragen: Weibliche Jugendliche sollten nicht mehr als 10 kg, männliche Jugendliche nicht mehr als 20 kg heben bzw. tragen.

Ausnahmen, wenn diese zur Ausbildung gehören:

  • Schweißen, Schneiden und andere verwandte Verfahren nach § 25 UVV BGV D1,
  • Nur unter Aufsicht: Das Betreiben, Reinigen und Instandhalten von Nahrungsmittelmaschinen nach § 64 UVV VBG 77,
  • Nur unter Aufsicht: Das Betreiben, Reinigen und Instandhalten von Fleischereimaschinen nach § 58 UVV VBG 19,
  • Einrichten von Holzbearbeitungsmaschinen,
  • Umgang mit Gefahrstoffen, aber nur unter Aufsicht eines Fachkundigen.

5. Ärztliche Untersuchungen:

Eine ärztliche Untersuchung ist vor dem Eintritt ins Berufsleben (also vor Beginn der Berufsausbildung) durchzuführen. Eine Nachuntersuchung schließt sich 12 Monate nach dem Beginn der Beschäftigung an und soll spätestens nach 14 Monaten durchgeführt sein. Ohne ärztliche Bescheinigung darf der Jugendliche nicht weiter beschäftigt werden. (§§ 32-45 JArbSchG)
Die Untersuchungen werden von ermächtigten Ärzten oder vom Amtsarzt des Gesundheitsamtes durchgeführt.

Alle Untersuchungen werden vom jeweiligen Bundesland bezahlt. Also nicht vom Jugendlichen und nicht vom Arbeitgeber.

6. Unterweisung / Einweisung:

Vom Arbeitgeber muss der Jugendliche vor Beginn der Beschäftigung und dann regelmäßig halbjährlich über die Unfall- und Gesundheitsgefahren, sowie über die Einrichtungen und Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefahren unterwiesen werden. (§ 29 JArbSchG und nach UVV BGV A1, siehe auch BGVR)
Themen (BGV A1, BGV A3, Anh. II BetrSichV, GefStoffV) z.B.:

  • Arbeitsort,
  • Verkehrswege,
  • Vorbeugender Brandschutz im Unternehmen,
  • Pausenräume und -zeiten,
  • Mängel melden,
  • nur Geräte, Anlagen oder Maschinen bedienen die zu seiner Arbeitsaufgabe gehören,
  • keine Reparaturen durchführen,
  • Einweisung in die Arbeitsaufgabe.

7. Urlaub:

Jugendliche haben Anspruch auf Jahresurlaub (§ 19 JArbSchG)

  • 15 Jährige haben Anspruch auf 30 Werktage,
  • 16 Jährige auf 27 Werktage und
  • 17 Jährige auf 25 Werktage.

Rechtsquellen:

. Benutzen (Anwendung durch Beschäftigte) . In-Verkehr-bringen (incl. Verkauf, Vertrieb)
EU -Recht D -Recht  D -Unfallvers. EU -Recht D -Recht  D -Unfallvers.
Rahmen-Richtlinie 89/391/EWG    
Richtlinie + Gesetz    JArbSchG
BerufsbildungsG, (
HandwO),
[
SGB VII]
   
Verordnung + UVV      BGV A1       
sonstige Normen      BGI 624      

Weitere Informationsquellen:

Sozialversicherung:

  • Die Abrechnungsbögen sind dem Arbeitgeber (Personalabteilung) zu übergeben. Hier werden die gezahlten Sozialversicherungsbeiträge eines Kalenderjahres eingetragen.
  • Der Sozialversicherungsausweis ist auf Baustellen (oder bei nicht ortsgebundenen Arbeitsplätzen), wie ein Personalausweis, immer mitzuführen. Die Gewerbeaufsicht kann den Beschäftigten auf Baustellen dazu auffordern, seinen Sozialversicherungsausweis vorzuweisen. Wird kein Sozialversicherungsausweis gezeigt, wird der Verdacht der Schwarzarbeit erhoben, da z.B. der Sozialversicherungsausweis beim Arbeitgeber* oder beim Arbeitsamt hinterlegt werden muss.

*Arbeitgeber, deren Arbeitsplätze ortsgebunden sind.