Arbeitsschutzlexikon

Lärm

Lärm ist Schall , der den Menschen stört, belästigt oder – bei starker und langer Einwirkung – gesundheitlich schädigt. Schall entsteht, wenn eine Schallquelle die umgebende Luft in Schwingungen versetzt. Was der Mensch hört, sind Schallwellen, die das Ohr durch die Luft erreichen.

Rechtsquellen:

. Benutzen (Anwendung durch Beschäftigte) . In-Verkehr-bringen (incl. Verkauf, Vertrieb)
EU -Recht D -Recht  D -Unfallvers. EU -Recht D -Recht  D -Unfallvers.
Rahmen-Richtlinie 89/391/EWG  
Richtlinie + Gesetz 2003/10/EG 

(Umwelt -Baulärm: 2000/14/EG

ArbSchG  
(
SGB VII )
   
Verordnung + UVV   § 15 ArbStättV 

(Umwelt -Baulärm: 32. BImSchV

BGV B3    (Maschinenlärm: 
3. GPSGV)
 
sonstige Normen     BGI 688      

Weitere Informationsquellen:

Umweltmediziner: Senkung der Lärm-Grenzwerte gefordert

Frankfurt/Main (dpa 11/2001) – 24 Umweltmediziner haben in einer Resolution die Senkung der Grenzwerte für Fluglärm gefordert. Bisher dürfe der nächtliche Lärm an Flughäfen die Grenze von 75 Dezibel nicht überschreiten, berichtete das Rhein-Main-Institut am Montag im Vorfeld einer Tagung zum Thema Fluglärm in Dreieich bei Frankfurt. Die Ärzte fordern, die Schwelle auf 45 Dezibel in der Nacht und 55 Dezibel am Tag festzulegen. Die Unterzeichner sind im Verein “Ärzte für vorbeugende Umweltmedizin” zusammengeschlossen.

Kinderlärm – ein Gesundheitsrisiko für Kindergärtnerinnen

Eine Studie der Unfallkasse Hessen ergab , dass Kinderlärm Erzieherinnen krank machen kann. Fast die Hälfte der untersuchten Kindergärtnerinnen war einem durchschnittlichen Lärmpegel von 85 Dezibel ausgesetzt. Das entspricht der Lautstärke, die einer Bohrmaschine oder ein Rasenmäher erzeugt. Mögliche Schutzmaßnahme: Dämmplatten an Wänden und Decken können den Lärmpegel deutlich senken. Da es sich bei den Kindereinrichtungen allerdings hauptsächlich um kommunale Einrichtungen handelt, dürfte eine solche Nachrüstung in Zeiten des Sparens und Kürzens eher schwierig sein.

Lärm schadet der Gesundheit

Hamburg (dpa(sg) 17. April 2001) – Lärm wird in seiner gesundheitsschädigenden Wirkung vielfach unterschätzt. “Wir fürchten uns mehr vor dem letzten Nanogramm Dioxin auf einem entlegenen Sportplatz als dem Lärm vor unserer Haustür. Unser Lärmbewusstsein ist erschreckend gering”, warnt Professor August Schick, Leiter des Instituts zur Erforschung von Mensch-Umwelt-Beziehungen an der Universität Oldenburg, in einer Erklärung des Forums Besser Hören in Hamburg. Neben den Ohren leide auch das Herz-Kreislauf-System. So sei inzwischen jeder 50. Herzinfarkt lärmbedingt. Insgesamt litten in Deutschland 13 Millionen Menschen unter einer zu hohen Lärmbelastung. Nach Empfehlung des Forums sollte die Ruhephase für die Ohren immer mindestens genauso lange sein wie die Belastungsphase. Lärmprävention sollte bereits beginnen, wenn Ruhe und Kommunikation gestört seien und nicht erst, wenn die Ohren geschädigt sind. Gleichzeitig unternehmen Betroffene den Angaben zufolge im Schnitt zehn Jahre zu spät etwas gegen ihre Hörprobleme und verzichten damit auf ein großes Maß an Lebensqualität.

Popkonzerte: Schmerzensgeld bei Hörschäden

Koblenz (dpa 9/2001) – Besucher eines Popkonzerts steht grundsätzlich Schmerzensgeld zu, wenn sie nach der Veranstaltung unter Hörschäden leiden. Dies entschied das Koblenzer Oberlandesgericht (OLG) in einem am Montag veröffentlichten Urteil. Denn jeder Besucher dürfe sich darauf verlassen, dass der Veranstalter die Musik auf einen Geräuschpegel begrenze, der zu keinen gesundheitlichen Schäden führe (Az.: 5 U 1324/00). Das Gericht sprach mit einem Urteil einer jungen Frau ein Schmerzensgeld in Höhe von 9000 Mark zu. Die Klägerin hatte in Trier ein Pop-Konzert besucht. An der rechten und linken Seite der Bühne waren jeweils große Lautsprecherboxen postiert. In der Nähe dieser Boxen hielt sich die Klägerin während des Konzerts auf. Nach der Veranstaltung diagnostizierte ein Arzt bei ihr eine “hochgradige, lärmtraumatische Innenohrschädigung mit Tinnitus beidseits”. Den Koblenzer Richtern genügte diese Feststellung, um dem Veranstalter eine Verletzung seiner Verkehrssicherungspflicht vorzuhalten. Als unerheblich werteten die Richter dabei, dass sich die Klägerin ihren Platz selbst ausgesucht hatte. Allein dadurch treffe sie nicht der Vorwurf eines Mitverschuldens, heißt es in dem Urteil.

Lärmschwerhörigkeit – die häufigste Berufskrankheit

(mg, LSA-Presse 5/2000) Die unheilbare berufsbedingte Lärmschwerhörigkeit steht an erster Stelle der Berufskrankheitenstatistik und damit noch vor asbestverursachten Erkrankungen und Hauterkrankungen. Das geht aus dem Jahresbericht der Gewerbeaufsicht Sachsen-Anhalt hervor. Lärm schädigt trotz möglicher technischer, organisatorischer oder persönlicher Schutzmöglichkeiten Tag für Tag die Gesundheit tausender Beschäftigter.
Die Gewerbeaufsichtsverwaltung des Landes Sachsen-Anhalt führt deshalb auf der Grundlage bisheriger Betriebsüberprüfungen im Jahr 2000 landesweit in mehr als 200 Betrieben verstärkte Kontrollen der gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutzmaßnahmen durch. Ziel ist hierbei eine bessere Durchsetzung der Unternehmerpflichten im Lärmschutz und damit eine Senkung des lärmbedingten Gesundheitsrisikos der Beschäftigten

Ab 06.09.02: Neue Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung

(mg, BMU) Der Schutz vor Lärm, der von im Freien betriebenen Maschinen und Geräten — vom Rasenmäher bis zum Baufahrzeug – ausgeht, soll weiter verbessert werden. Dazu dient die neue Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung, die ab am 06.September 2002 in Kraft getreten ist. Mit der Verordnung wird eine entsprechende europäische Richtlinie (2000/14/EG) in deutsches Recht umgesetzt. Sie gilt für 57 unterschiedliche Geräte- und Maschinenarten, von Baumaschinen — wie etwa Betonmischer und Hydraulikhämmer, über Bau- und Reinigungsfahrzeuge, darunter Transportbetonmischer und Kehrmaschinen, bis hin zu Landschafts- und Gartengeräten, wie Kettensägen, Laubbläser und Rasenmäher. Alle diese Produkte müssen künftig mit einer Kennzeichnung versehen werden, auf der die Hersteller den Schallleistungspegel angeben, der garantiert nicht überschritten wird. Die lautesten Geräte- und Maschinenarten müssen zusätzlich Geräuschgrenzwerte einhalten, die in vier Jahren weiter gesenkt werden. Für die lautesten dieser Geräte werden neue Geräuschgrenzwerte eingeführt und ihr Betrieb in Wohngebieten eingeschränkt.
(siehe auch Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung – 32. BImSchV )

Lärm am Arbeitsplatz:

Lärm am Arbeitsplatz – 2003/10/EG (17. Einzelrichtlinie zur Richtlinie 89/391/EWG) tritt in Kraft
Mit dieser Richtlinie 2003/10/EG, der 17. Einzelrichtlinie im Sinne des Artikels 16 Absatz 1 der Richtlinie 89/391/EWG, werden Mindestanforderungen für den Schutz der Arbeitnehmer gegen tatsächliche oder mögliche Gefährdungen ihrer Gesundheit und Sicherheit durch Einwirkung von Lärm, insbesondere die Gefährdung des Gehörs, festgelegt.
Die Richtlinie 2003/10/EG trat am 16. Februar 2003 in Kraft und muss bis zum 15. Februar 2006 in nationales Recht umgesetzt werden. Mit der Inkraftsetzung der Richtlinie 2003/10/EG tritt die bisherige Richtlinie 86/188/EWG außer Kraft.
Die Eckpunkte dieser Richtlinie sind:

  • Festlegung der Expositionswerte des Tages-Lärmexpositionspegels (LEX,8h) und des Spitzenschalldruck (ppeak) a) Expositionsgrenzwerte: LEX,8h = 87 dB(A) bzw. ppeak = 200 Pa b) Obere Auslösewerte: LEX,8h = 85 dB(A) bzw. ppeak = 140 Pa c) Untere Auslösewerte: LEX,8h = 80 dB(A) bzw. ppeak = 112 Pa.
  • Ermittlung und Bewertung der Risiken
  • Maßnahmen zur Vermeidung oder Verringerung der Exposition
  • Persönlicher Schutz
  • Begrenzung der Exposition
  • Unterrichtung und Unterweisung der Arbeitnehmer
  • Anhörung und Beteiligung der Arbeitnehmer
  • Gesundheitsüberwachung

Die neue Richtlinie 2003/10/EG im Vergleich zur BGV B3 “Lärm”

(der sicherheitsschirm 2/2003 S.7 -Auszug-) Die Richtlinie 2003/10/EG muss bis zum 15.Februar 2006 ins nationale Recht umgesetzt werden.

Richtlinie 2003/10/EG BGV B3 “Lärm”
unterer Auslösewert 80 db(A)
(Art.3 Abs. 1c)
85 db(A)
oberer Auslösewert 85 db(A)
(Art.3 Abs. 1b)
90 db(A)
Expositionswert ;
Dämmende Wirkung des persönlichen Gehörschutzes muss berücksichtigt werden
(Art. 3 Abs. 2)
87 db(A)
(Art. 3 Abs. 1a und Art. 7)
nicht vorhanden
Informations- und Unterweisungspflicht ab 80 db(A)
(Art. 8 )
ab 85 db(A)
Vorsorgeuntersuchung
(Art. 10 Abs.2)
ab 85 db(A)
Anspruch auf Vorsorgeuntersuchung
Bereits ab 80 db(A) Anspruch auf vorbeugende audiometrische Untersuchung, sofern die Bewertung und Messung der Lärmsituation auf ein Gesundheitsrisiko hindeuten
ab 85 db(A)
(Vorsorgeuntersuchungs- pflicht)
Gehörschutz zur Verfügung stellen ab 80 db(A)
(Art. 6 Abs. 1 Pkt. a)
ab 85 db(A)
Gehörschutz-Tragepflicht ab 85 db(A)
(Art. 6 Abs. 1 Pkt. b)
ab 90 db(A)
Lärmminderungsprogramm ab 85 db(A)
(Art. 5 Abs. 2)
ab 90 db(A)
Kennzeichnung des Lärmbereichs ab 85 db(A)
(Art. 5 Abs. 3)
ab 90 db(A)

Weisungen des Arbeitgebers missachtet: Weigerung Gehörschutz zu benutzen – Bußgeld (SMBG-Mitteilungen 2 Mai’99: S.27)

“Wer persönliche Schutzausrüstungen nicht benutzt, obwohl er nach UVV’en dazu verpflichtet ist geht ein doppeltes Risiko ein. Er setzt seine Gesundheit aufs Spiel und muss…” mit einem Bußgeldbescheid von der Gewerbeaufsicht (Verstoß gegen §15(2)ArbSchG und PSA-BV) oder von der Berufsgenossenschaft (§ 14 VBG 1) rechnen.
Praxisbeispiel: Im Lärmbereich eines blechverarbeitenden Betriebes wurde durch Lärmminderungsmaßnahmen der Beurteilungspegel nur bis auf 90 dB(A) gesenkt. Ein versicherter Beschäftigter ließ sich nicht von seinen Vorgesetzten, den Betriebsräten und andere Mitarbeiter überzeugen, den Gehörschutz zu tragen. Nach Unterzeichnung einer Verpflichtungserklärung und nach wiederholten Aufforderungen (durch eine Aufsichtsperson der SMBG) wurde dieser Beschäftigte wiederum ohne Gehörschutz im Lärmbereich angetroffen. Im Beispielfall wurde eine Geldbuße von 400 DM festgesetzt. Dagegen legte der Beschäftigte Einspruch ein. In der späteren Gerichtsverhandlung wurde dieser Einspruch durch den Beschäftigten zurückgenommen. Das Gericht ließ erkennen, dass es in Fällen von beharrlich wiederholten Verstößen gegen UVV’en von einem vorsätzlichen Handeln des Beschuldigten ausgehe und hierfür durchaus auch höhere Bußgelder angemessen wären.
Geldbuße nach UVV’en: Verstoß gegen § 14 VBG 1, §§ 21 und 17(1) SGB VII => mögliche Geldbuße nach § 209 SGB VII.
Geldbuße nach ArbSchG: Verstoß gegen §§ 15(2) und 22(3) Satz 1 Nr. 1 ArbSchG => mögliche Geldbuße nach § 25 ArbSchG.