Arbeitsschutzlexikon

Gefährdungsbeurteilung

(BMWi: nach dem Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme aus BArbBl. 1/2003 S.101)
Die Gefährdungsbeurteilung ist eine systematische Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen.

Die Gefährdungsbeurteilung ist nach § 6 ArbSchG ein schriftlicher Nachweis über die Durchführung einer Beurteilung der Arbeitsbedingungen, die Personen-, Arbeitsplatz- oder Tätigkeitsbezogen erstellt werden kann.

Rechtsquellen:

. Benutzen (Anwendung durch Beschäftigte)
EU -Recht D -Recht  D -Unfallvers.
Rahmen-Richtlinie 89/391/EWG
Richtlinie + Gesetz   § 6 ArbSchG
(
SGB VII)
Verordnung + UVV      
sonstige Normen      

Weitere Informationsquellen:

Anwendung:

Am 21.08.1996 trat das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) in Kraft. Es verlangt u.a. die Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungen aller Beschäftigten bei der Arbeit. So verpflichtet der § 3 ArbSchG den Arbeitgeber wirksame Arbeitsschutzmaßnahmen zu treffen und somit die Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten anzustreben. Allgemeine Grundsätze für das Festlegen dieser Maßnahmen sind im § 4 ArbSchG enthalten.

Verhalten:

Um wirksame Schutzmaßnahmen zu treffen, müssen Arbeitsbedingungen und die sich daraus ergebenden Gefährdungen ermittelt und beurteilt werden. Das Ergebnis einer solchen Beurteilung sollte dokumentiert werden. Für Unternehmen mit mehr als 10 Beschäftigten besteht eine Dokumentationspflicht.

Vom Gesetzgeber wurde ein Spielraum für die Ausführung der Dokumentation gelassen. Der Arbeitgeber muss aber in jedem Fall über Unterlagen verfügen, die die Beurteilung der Gefährdung, die getroffenen Schutzmaßnahmen und deren Überprüfung enthalten.

Die Gefährdungsbeurteilung soll helfen, orientierend in kurzer, präziser und fachlich korrekter Form:

  • Gefährdungen zu ermitteln Wirksame Schutzmaßnahmen zu treffen und Den Handlungsbedarf festzulegen.

Unternehmen müssen in wirtschaftlicher Hinsicht kostengünstig und termingerecht arbeiten. Dazu müssen Produktions- bzw. Arbeitsabläufe optimal gestaltet werden. Ausfälle von Maschinen oder das Fehlen von Beschäftigten durch Unfälle oder Krankheiten wirken sich dabei negativ aus. Durch eine Überprüfung der Arbeitsbedingungen können Schwachstellen erkannt und durch geeignete Maßnahmen beseitigt werden. Die Gefährdungsbeurteilung kann außerdem in das Qualitätsmanagement des Unternehmens einfließen und als Grundlage für Qualitätssicherungsmaßnahmen dienen.

Gültigkeitsbereich:

für Beschäftigte im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes (§ 2 Abs.2 ArbSchG)

Unterlagen der Fa. SIDI Blume: DATENBLATT

Mit der Vorlage zur Beurteilung von Gefährdungen sollen Sie in die Lage versetzt werden, einen Überblick über auftretende Gefährdungen zu bekommen, daraus resultierende Schutzmaßnahmen abzuleiten und die Ergebnisse zu dokumentieren.

Ermittlung vorhandener Gefährdungen

Die erste Seite des Datenblattes dient der Beschreibung der Tätigkeit, des Berufes oder der Berufsklasse.
Wenn die tätigkeitsbezogene Beurteilung für die konkrete Situation vor Ort ungünstig sein sollte, kann das Dokument auch angepasst werden. Dazu braucht z.B. nur die Bezeichnung in “Arbeitsbereich” für eine arbeitsbereichsbezogene Beurteilung oder “Person” für eine personenbezogene Beurteilung umgewandelt zu werden.

Als “Schl.- Nr.:” wurde die vierstellige Schlüsselnummer der “Klassifizierung der Berufe” der Bundesanstalt für Arbeit. Dabei handelt es sich um ein Verzeichnis der Berufsbenennungen und der dazugehörigen Kennummern.
Wesentliche ausgeführte Tätigkeiten sind im Feld “Arbeitsaufgaben” sind beschreiben.

Unter “Zusätzlichen Arbeiten” sind Tätigkeiten zu nennen, die nicht zum Berufs- bzw. Tätigkeitsbild gehören, aber von den jeweiligen Beschäftigten ausgeführt werden.

In der darunter folgenden Tabelle sind in der linken Spalte grau unterlegt die Gefährdungsfaktoren aufgelistet.

  • mechanische Gefährdung
  • elektrische Gefährdung
  • chemische Gefährdung (Gefahrstoffe)
  • Brand- und/oder Explosionsgefährdung
  • thermische Gefährdung
  • biologische Gefährdung
  • Gefährdung durch physikalische Einwirkungen (Lärm, Ultraschall, Schwingungen, nichtionisierende und ionisierende Strahlung)
  • Belastung durch Arbeitsumgebung
  • Physische Belastung, Arbeitsschwere
  • weitere Gefährdungen Sturz-, Absturz- oder AusrutschgefahrZustand der Verkehrs- und TransportwegeZustand Fußböden und Treppen (Trittsicherheit)DruckbehälterPsychische Belastungen.

Untersetzt werden diese Faktoren durch Spezifikationen bzw. Teilgefährdungen. Diese, ebenfalls grau untersetzten Felder können bei Bedarf erweitert werden.

Eine vorhandene Gefährdung bzw. Teilgefährdung wird in den jeweils dazugehörigen oberen Tabellenfeldern markiert. Eine solche Markierung geschieht im einfachsten Fall durch ein Kreuz.

In dem jeweils darrunterliegenden Feld können Eintragungen vorgenommen werden. Diese können sowohl Erläuterungen aufgetretener Gefährdungen, Begründungen für nicht vorhandene Gefährdungen, als auch Verweise auf weitere Dokumentationen oder Anhänge umfassen.

Beachten Sie bitte, dass zu jeder Gefährdungsgruppe mindestens ein freies Feld für Erweiterungen zur Verfügung steht. Weichen die spezifizierten Gefährdungsfaktoren in den Datenblättern von den Gegebenheiten Ihres Betriebes ab, sind einzelne Tabelleneinträge zu ändern.

In den vorliegenden Datenblättern sind die Gefährdungen markiert worden, die bei der jeweiligen Tätigkeit in der Regel auftreten. Dabei wurden neben dem Normalbetrieb auch typische Zustände wie

  • Ingangsetzen,
  • Einrichten,
  • Probebetrieb,
  • Stillsetzen,
  • Wartung/Pflege,
  • Instandsetzen sowie
  • Störungen/Ausfälle berücksichtigt.
Hinweis:
Gefährdungsbeurteilung: Die ermittelten Gefährdungen werden nun i.d.R. durch normierte Beurteilungskriterien, wie z.B. Gesetze, Verordnungen, Unfallverhütungsvorschriften, technische Regeln und Normen etc., bewertet. Anhand dieser Kriterien wird festgestellt, ob tatsächlich eine Gefahr für die Beschäftigten vorliegt und somit Handlungsbedarf gegeben ist.

Gefahrenbeurteilung: Anschließend ist in der Praxis häufig zu beurteilen, ob eine unmittelbar drohende Gefahr mit der Notwendigkeit zum sofortigen Handeln vorliegt, oder ob eine mittelbare Gefahr besteht, für deren Abwendung eine längere Zeitspanne vertretbar ist. Dieser Schritt wurde vom Gesetzgeber zwar nicht ausdrücklich formuliert; er kann jedoch aus § 4 ArbSchG (Allgemeine Grundsätze) abgeleitet werden.

Auf der zweiten Seite der Datenblätter stehen drei Übersichtstabellen für Schutzmaßnahmen zur Verfügung. Bei der Festlegung der Maßnahmen ist eine Rangfolge zu beachten:

  • Gefahrenquelle beseitigen, Gefahrenquelle durch technische Schutzmaßnahmen kapseln, Dauer und Intensität der Exposition durch organisatorische Maßnahmen verringern, Persönliche Schutzausrüstung verwenden und Handlungsanweisungen, Verhaltensregeln u.ä. einhalten.

Die Übersichten für technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen enthalten eine Beschreibung und Entscheidungsfelder für die einzelnen Maßnahmen.

Die Datenblätter enthalten sowohl standardmäßige Schutzmaßnahmen, als auch spezielle tätigkeitsbezogene Maßnahmen für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz.

Zu jeder getroffenen Schutzmaßnahme ist ein Soll – Ist – Vergleich durchzuführen. Dieser Vergleich soll auf einfache Art und Weise zeigen, ob nötige Maßnahmen bereits betrieblich umgesetzt sind oder ob in dieser Hinsicht noch Handlungsbedarf besteht.

Beachten Sie bitte, dass in den Datenblättern noch Zeilen für Schutzmaßnahmen zur freien Verfügung stehen. Dort müssen Maßnahmen eingetragen werden, die sich aus betrieblicher Sicht notwendig machen. Führen Sie auch für diese Maßnahmen den Soll – Ist – Vergleich durch.

Schutzmaßnahmen
Die Schutzmaßnahmen können sich u.a. aus folgenden Bestandteile zusammensetzen:

  • Technische Schutzmaßnahmen:
    Einsatz gefährdungsarmer Technik Änderung der Technologie Automatisierung Einsatz technischer Schutzeinrichtungen und Hilfsmittel Verwendung von mindergefährlichen Ersatzstoffen
  • Organisatorische Schutzmaßnahmen:
    Veränderung des Arbeitsablaufes und -inhaltes Aufgabenumverteilungen Änderung der Arbeitsdauer bzw. -zeiten Beschränkung für Beschäftigungsgruppen Regelmäßige Überprüfung der Anlagen, Einrichtungen, Geräte Kennzeichnungen Qualifikationen und Verantwortlichkeiten
  • Personenbezogene Schutzmaßnahmen:
    Persönliche Schutzausrüstungen Verhaltensregeln
Beachten Sie bitte, dass in den Datenblättern hinter der aufgeführten Schutzmaßnahme auch ohne separate Spalte die Möglichkeit besteht, Vermerke über Dringlichkeit und Wichtigkeit der Maßnahme einzutragen. Eine solche Bewertung richtet sich z.B. nach dem Grad der jeweiligen Gefährdung.

Unterweisungsgrundlagen festlegen

In der Tabelle “Notwendige Unterweisungen” wird auf den Inhalt der Unterweisungen eingegangen.
Gesetzliche Vorschriften, Unfallverhütungsvorschriften, technische Regeln und betriebliche Festlegungen können hier dem Arbeitsplatz zugeordnet werden.
Beachten Sie bitte, dass in dieser Übersicht Platz für individuelle, betriebsbezogene Festlegungen gegeben ist.

Handlungsbedarf erkennen und dokumentieren

Das Ermitteln und Beurteilen vorhandener Gefährdungen, das Festlegen notwendiger Schutzmaßnahmen und der Vergleich mit den vor Ort umgesetzten Maßnahmen führen zum Erkennen eines Handlungsbedarfes.
Dieser Handlungsbedarf ist in der folgenden Übersicht zu dokumentieren.
In den vorliegenden Datenblättern wird diese Dokumentation durch eine “Ja” oder “Nein” Entscheidung zu den einzelnen Handlungsfeldern durchgeführt.
Darüber hinaus ist das Eintragen von “Anmerkungen” möglich. Diese Anmerkungen können Termine zur Umsetzung von Schutzmaßnahmen, das Festlegen von Verantwortlichkeiten oder Angaben zu einer notwendigen Wirksamkeitskontrolle umfassen.
Beachten Sie bitte, dass in dieser Übersicht betriebsbezogene Ergänzungen vorgenommen werden können. Nutzen Sie die Anmerkungsfelder beispielsweise auch, um Ihre Entscheidungen zu begründen.
Die Bestätigung für gemachten Angaben sollte durch den Bearbeiter und durch den Unternehmer als Verantwortlichen mittels Unterschrift erfolgen.

Wirksamkeit der Maßnahmen kontrollieren

Um die erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen wirksam durchführen zu können, sollten Prioritäten, Termine und Verantwortlichkeiten festgelegt werden. Diese müssen vom Verantwortlichen überprüft werden. Außerdem sollte eine wiederholte Prüfung der Wirksamkeit der Maßnahmen erfolgen, damit ggf. Anpassungen an geänderte Arbeitsbedingungen vorgenommen werden können.

Das Vorlagedokument für die Zusammenfassung der Gefährdungen und Schutzmaßnahmen in Arbeitsbereichen
Zusammengefasst für einen Arbeitsbereich gemäß Unternehmensstruktur können in dieser Liste die vorhandenen Gefährdungen und notwendige Schutzmaßnahmen aufgeführt werden.
Damit entsteht ein Überblick über den Handlungsbedarf des jeweiligen Arbeitsbereiches.

Wann ist eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen?

Eine Gefährdungsbeurteilung ist durchzuführen :

  • als Erstbeurteilung an bestehenden Arbeitsplätzen
  • bei jeder Änderung im Betrieb (z. B. Änderung von Arbeitsstoffen, Arbeitsverfahren oder der Arbeitsorganisation)
  • bei der Neubeschaffung von Maschinen, Geräten und Einrichtungen
  • in regelmäßigen Abständen (Empfehlung: einmal jährlich, ansonsten bei Änderung von Vorschriften)
  • nach Änderung des Standes der Technik
  • nach Auftreten von Arbeitsunfällen, Störfällen, Beinaheunfällen, Berufskrankheiten und anderen Erkrankungen.