Arbeitsschutzlexikon

Büroarbeitsplatz

Rechtsquellen:

. Benutzen (Anwendung durch Beschäftigte) . In-Verkehr-bringen (incl. Verkauf, Vertrieb)
EU -Recht D -Recht  D -Unfallvers. EU -Recht D -Recht  D -Unfallvers.
Rahmen-Richtlinie 89/391/EWG    
Richtlinie + Gesetz 90/270/EWG ArbSchG  
(+
SGB VII)
   
Verordnung + UVV   BildscharbV (BGV A1)      
sonstige Normen     BGI 650      

Weitere Informationsquellen:

Alternative Sitzmöbel ersetzen nicht den Bürodrehstuhl – Alternative Arbeitsplatzkonzepte für die Büroarbeit auf dem Prüfstand (BAuA-Pressemitteilung 92/00 vom 12. Dezember 2000)

… Trotz leichter körperlicher Arbeit klagen viele Beschäftigte im Bürobereich über Nacken- und Kopfschmerzen, Nacken-Schulter-Arm-Syndrome oder Kreuz- und Rückenschmerzen. Diese muskuloskeletalen Beschwerden können durch einseitige und physiologisch ungünstige Körperhaltungen entstehen. Hochsitzer, Pendelstühle oder andere alternative Sitzgelegenheiten werden häufig als Problemlösung vorgeschlagen, um Muskel- und Skeletterkrankungen vorzubeugen. …

Die Ergebnisse zeigen, dass alternative Sitzgelegenheiten nicht generell die Belastungssituation des Stütz- und Bewegungsapparates günstig beeinflussen. Die Probanden nutzten nach einiger Zeit weder Knie- und Pendelstühle noch den Sitzball. Lediglich der Hochsitzer schnitt besser ab. Er lässt sich jedoch nur an extrem höhenverstellbaren Arbeitstischen optimal einsetzen. Für nicht höhenverstellbare Arbeitstische eignet sich der Hochsitzer nicht.

Die alternativen Steh-Sitzkonzepten haben gegenüber dem herkömmlichen Sitzarbeitstisch mit Bürodrehstuhl keine unmittelbaren Vorteile. Das größte Potenzial, um die Bewegung zu unterstützen, wiesen Arbeitsplatzkonzepte mit extrem höhenverstellbaren Arbeitstischen auf. Aber reine Stehpulte verkümmerten zu einer zusätzlichen Arbeitsfläche.
Fazit: Allein neue Büromöbel entlasten nicht die Rücken der Büroarbeiter.

Der durchschnittliche Nutzer profitiert mehr von einer sinnvollen Verteilung der Arbeitsaufgaben, die sitzende und stehende Tätigkeiten sowie Bewegung kombiniert. Beispielsweise kann Bildschirmarbeit durch Telefonieren im Stehen unterbrochen werden, abgelöst von einem Gang zum Kopierer. Diese Formen der “Mischarbeit” scheinen ein höheres Präventionspotenzial zu besitzen als die Bereitstellung zusätzlicher Stehpulte. Trotzdem zeigen die Untersuchungsergebnisse auch, dass Stehpulte oder alternative Sitzmöbel dann sinnvoll eingesetzt werden können, wenn die Bereitschaft zur Nutzung des Angebotes gefördert wird.

Siehe Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Forschungsbericht Fb 878 “Ergonomische Untersuchung alternativer Büro- und Bildschirmarbeitsplatzkonzepte”, T. Wittig, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund/Berlin, ISBN 3-89701-505-6, 220 S., 35,00 DM. vertrieb@nw-verlag.de.

Jeder dritte deutsche Büroarbeitsplatz hat Mängel

(sa 6/2001) Mindestens jeder dritte deutsche Büroarbeitsplatz birgt Gesundheitsrisiken. Das geht aus einer repräsentativen Befragung von 609 deutschen Unternehmen hervor, die am Montag in Düsseldorf zum Auftakt der Arbeitsschutzmesse vom Deutschen Büromöbel Forum vorgestellt wurde. Am häufigsten fanden sich falsch platzierte Bildschirme (29 Prozent), gefolgt von mangelhaften Büromöbeln (27 Prozent). An jedem fünften Schreibtisch wurden Klima, Akustik oder Licht moniert. Die Studie war von einer Kölner Unternehmensberatung erstellt worden.

Die Bereitschaft, den Mitarbeitern einwandfreie Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, habe sogar leicht abgenommen. Die per Gesetz zwingend vorgeschriebene Analyse der Bildschirm-Arbeitsplätze hätten nur 65 Prozent der Unternehmen vorgenommen. Davon hätten wiederum elf Prozent die Ergebnisse in der Schublade verschwinden lassen.

Vor allem Unternehmens-Neulinge der “New Economy” kümmerten sich wenig um den Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter. Die Studie zeige auch: “Je größer die Firma, desto besser die Arbeitsplätze.”

Gesunde Arbeitsplätze seien erheblich kostengünstiger als die Ausfälle durch Fehlzeiten bei Krankheit, appellierte das Deutsche Büromöbel Forum. “In Büros gibt es zwar wenig akute, aber viele schleichende Gesundheits-Risiken”, sagte ein Sprecher.

Bedenklich sei, dass rund 30 Prozent der Unternehmen sich weigerten, die Arbeitsplätze auf Mängel zu prüfen. Dabei mussten laut EU-Richtlinie bereits Ende 1999 alle Büro-Arbeitsplätze überprüft und die Mängel beseitigt werden. Weil mehr als ein Drittel der Unternehmen die Arbeitsplätze nicht analysiert hatte, gehen die Experten davon aus, dass der Anteil der ungesunden Arbeitsplätze wegen der Dunkelziffer noch höher liegt.

Bildschirmarbeit: öfter die Augen schweifen lassen

(dpa(ee) 5/2001) – Wer den ganzen Tag über vor dem Computerbildschirm sitzt, sollte seine Augen öfter in die Ferne schweifen lassen. Dabei sollte das Blinzeln nicht vergessen werden, erinnert die in Neu-Isenburg erscheinende “Ärzte-Zeitung”. Studien hätten gezeigt, dass sich bei konzentriert auf die Mattscheibe starrenden Menschen die Zahl der für die Befeuchtung des Auges wichtigen Lidbewegungen von 20 bis 30 auf etwa fünf Schläge pro Minute sich. Alle zwei Stunden sollte den Augen laut der Fachzeitung außerdem eine längere Erholungspause gegönnt werden. In dieser Zeit könnten andere Arbeiten erledigt werden wie etwa Telefonate. Um Sehprobleme oder Kopfschmerzen zu vermeiden, sei außerdem eine blendfreie Sicht auf den Bildschirm wichtig. Das Gerät sollte daher im rechten Winkel zum Fenster aufgestellt werden. Lampen sollten weder im zentralen Sichtfeld vor dem Bildschirm platziert sein noch sich in der Mattscheibe spiegeln. Der ideale Blickwinkel auf den Monitor sei eine 25- bis 35-Gradneigung nach unten.
Auch in unserer Broschüre: “Erstunterweisung – für Büro- und Verwaltungstätigkeiten” sind weitere Informationen enthalten.

Büroarbeit: Leise verbessert die Leistung

(BAuA / News / Pressemitteilungen 2003 – www.baua.de)
Lärm und Geräusche gehören zu den Stressfaktoren, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten beeinträchtigen. Der Verein Deutscher Ingenieure und die REFA gehen davon aus, dass akustische und visuelle Störungen die Leistung zwischen 20 und 30 Prozent mindern. Zugleich haben insbesondere die neuen Informationstechnologien zu einer Leistungsverdichtung bei der Büroarbeit beigetragen. Informationen können und sollen schneller verarbeitet werden. Unterschiedliche Aufgaben werden zu ganzheitlichen Tätigkeiten zusammengefasst, wodurch die Komplexität der zu erledigenden Aufgaben ansteigt.
Um die Wirkung unterschiedlicher Geräusche auf Bürotätigkeiten zu klären, führte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Zusammenarbeit mit der ABOVE GmbH eine Studie durch. Dabei wurden die Auswirkungen von Geräuschen mittlerer Intensität auf simulierte Bürotätigkeiten unterschiedlicher Komplexität untersucht.

Insgesamt 32 Versuchspersonen, die alle über Berufserfahrungen im Bürobereich verfügten, nahmen am fünftägigen Versuch teil. An den verschiedenen Versuchstagen wurden fünf verschiedene Geräuschbedingungen simuliert. Neben Ruhe (35dB(A)) und einem kontinuierlichen Geräusch mit einem Pegel von 55 dB(A) wurden in den drei weiteren Situationen Bürogeräusche nachgeahmt. Die vom Band gespielten Geräusche wie Telefonklingeln oder laufende Drucker ergaben mittlere Pegel von 40, 55 und 70 dB(A). Unter diesen Bedingungen führten die Probanden sieben bürotypische Versuchsaufgaben durch. Die Aufgaben reichten von einfachen Prüfungen von Rechnungseingängen bis zur Bewertung von Angeboten. Diese Aufgaben ließen sich verschiedenen kognitiven Teilhandlungen und Komplexitätsgraden zuordnen.
Im Ergebnis zeigt sich, dass neben den Geräuschcharakteristika die Aufgabenkomplexität eine zentrale Rolle spielt. Bei Geräuschen relativ hoher Intensität und Informationshaltigkeit sinkt die Leistung, wenn die Komplexität der Aufgaben steigt. Während sich die Störwirkung von Geräuschen bei einfachen Aufgaben wie die Prüfung von Zahlungsanweisungen durch erhöhte Aufmerksamkeit kompensieren lässt, nehmen Bearbeitungsdauer und Fehlerrate bei komplexen Aufgaben zu wie beispielsweise bei der Erstellung von Angeboten. Darüber hinaus steigt das Erholungsbedürfnis der Versuchspersonen mit steigender Lautstärke.

Ein “hoher” Geräuschpegel im Büro verschlechtert insgesamt das Verhältnis zwischen Ertrag und Aufwand. Um befriedigende Ergebnisse zu erzielen, führten die Versuchspersonen in solchen Situationen häufigere Kontrollen durch, begannen öfter von Neuem und nutzten umständlichere aber sichere Vorgehensweisen. Zudem tendierten sie in Situationen mit hoher Geräuschintensität dazu, komplexe Aufgaben wie beispielsweise die Textproduktion nur unvollständig oder gar nicht zu bearbeiten.

Schriftenreihe der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Forschungsbericht Fb 974 “Bildschirmarbeit und Geräusche”; Ch. A. Sust, H. Lazarus; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund/Berlin, ISBN 3-89701-927-2; 108 S.; 11,50 EUR.
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